Im Schaufenster: Branchenzertifikat kibesuisse

Sich immer wieder auf Neues einlassen - Das Branchenzertifikat von kibesuisse: Pädagogische Leitung in Kindertagesstätten

Kitaleitungen arbeiten in einem Berufsfeld, welches sich stetig wandelt. Sei dies durch die gesellschaftlichen Veränderungen, durch die Ansprüche aus der Arbeitswelt an die Eltern oder auch durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse.

Die Neugierde und Freude, sich immer wieder auf neue Themen und Sichtweisen einzuladen, hat Nadine Mosca-Meier und Helene Volken animiert, sich für das «Branchenzertifikat von kibesuisse - Pädagogische Leitung in Kindertagesstätten» anzumelden. Sie sind Kitaleiterinnen der Kita «pop e poppa Leuehöhli» in Winterthur.

Was hat uns die Weiterbildung gebracht?
Im Laufe der 20 Kurstage konnten wir uns mit wichtigen Themen auseinandersetzen, wie z.B. die Weiterentwicklung von einem Konzept zu einer Konzeption, die Überprüfung unserer Qualitätsstandards in der pädagogischen Arbeit oder auch deren Weiterentwicklung im Team. Zudem hinterfragten wir unsere Arbeitsweisen in den Bereichen der Netzwerkarbeit und anderem mehr.

Rückblickend können wir sagen, dass uns die Kurstage geholfen haben, genau hinzuschauen bei den verschiedensten Themenfeldern. Wir wurden herausgefordert, unsere Alltagsarbeit zu analysieren, blinde Flecken aufzudecken, neue Themen anzugehen und unsere Arbeit als einen stetigen Prozess der Qualitätsentwicklung anzuerkennen. Dabei wurden wir von verschiedenen Dozierenden begleitet, welche in ihrem jeweiligen Fachgebiet ausgewiesene ExpertInnen waren und einen grossen Praxisbezug hatten. Mit viel Tiefgang, aber auch mit der nötigen Portion Humor gelang es ihnen, uns und die anderen Teilnehmenden zur Erarbeitung der einzelnen Themen im Bezug zu unserem Arbeitsort zu motivieren. Zudem erhielten wir wichtige Inputs für den Arbeitsalltag. Wir können die Weiterbildung zum Branchenzertifikat Pädagogische Leitung in Kindertagesstätten allen langjährigen und erfahrenen Kitaleitungen nur empfehlen.

Prozesse überprüfen und optimieren
Durch die Überprüfung unseres Führungsalltags ergaben sich während der Weiterbildung, aber auch bis heute noch Baustellen, welche angegangen werden mussten und immer noch müssen. Es gelang uns, unsere Transitionsprozesse zu optimieren und vor allem den Übergang der Kinder in den Kindergarten, nebst der Eingewöhnungszeit, als ebenso wichtigen Prozess anzuschauen, Teilschritte zu optimieren und die Eltern in diese Prozessarbeit aktiv einzubinden. Auch die Vernetzung nach Aussen fristete lange ein Dasein der Nichtbeachtung, da diese Arbeit Zeitressourcen verlangt, welche im Arbeitsalltag oft nicht erübrigt werden können. Durch die Bewusstseinssteigerung über deren Wichtigkeit planen wir uns nun auch Zeit für die Netzwerkarbeit ein und bauen das Netz von Zusammenarbeitspartner weiter aus, resp. festigen bereits vorhandene Kontakte.

Der Schwerpunkt der stetigen Überprüfung unserer pädagogischen Qualität war uns in unserer Kita nicht fremd. Animiert durch die erneute Thematisierung in der Weiterbildung gelang es uns, zusammen mit dem ausgelernten Fachpersonal, anhand der Unterlagen von Qualikita und unter Einbezug des Orientierungsrahmens, alle Arbeitsbereiche zu analysieren. Es wurden verbindliche Weiterentwicklungen im Team abgemacht und umgesetzt. Jetzt, ein Jahr nach dieser Arbeit, werden wir diesen Prozess wiederholen, uns neue Ziele ins Auge fassen und die bereits gemachten Veränderungen auf deren Wirksamkeit überprüfen.

Ausblick
Wenn wir auf dieses Jahr der Auseinandersetzung mit den angebotenen Themen des Branchenzertifikats zurückschauen, so könnten wir uns durchaus vorstellen, dass so eine ressourcen- und themenorientierte Weiterbildung für unser ausgelerntes Fachpersonal sinnvoll wäre. Wir stellen immer wieder fest, dass viele Menschen in unserem Berufsfeld sich schwer tun mit Veränderungsprozessen. Punktuelle fachliche Inputs von aussen würden eventuell das Verständnis eher wecken für die Wichtigkeit der stetigen Weiterentwicklung in unserem Arbeitsalltag zum Wohle des Kindes.

Bisher besteht ja in unserer Branche vor allem die Möglichkeit, sich zur/zum Ausbildungsverantwortlichen oder zur Kitaleitung weiterzubilden. Ausserdem besteht seit ein paar Jahren die Möglichkeit, die HF Kindererziehung zu absolvieren. Wichtig wären jedoch auch qualitativ hochstehende Angebote zur Vertiefung des bereits erlernten Wissens aus der Grundbildung, was nicht als Wiederholung zu verstehen wäre, sondern als Weiterentwicklung mit Fachschwerpunkten. Ob solche Angebote für einzelne Personen oder als interne Teamweiterbildungen angeboten würden, ist unseres Erachtens sekundär. Viel wichtiger erscheint es uns, dass in der Grundbildung wie auch in den Weiterbildungen mit aktuellem Material gearbeitet würde, wie z.B dem Orientierungsrahmen des Netzwerkes Kinderbetreuung, welches sich als Grundlagendokument geradezu anbietet und doch so vielen Menschen in unserer Branche noch nicht bekannt ist.

Zum Thema Weiterentwicklung eines Betriebes braucht es aber noch weitere Komponenten, welche wir erwähnen möchten. Ob ein Betrieb und dementsprechend auch das Personal sich weiterentwickeln kann, hängt nicht nur von der Bereitschaft der einzelnen Personen ab. Oftmals fehlen finanzielle Ressourcen oder es steht eine Trägerschaft hinter dem Betrieb, der diese Weiterentwicklung als keine Notwendigkeit ansieht. Wir in unserer Kita sind der glücklichen Lage, dass unsere Trägerschaft die qualitative Weiterentwicklung ihrer Betriebe als eine grundlegende Notwendigkeit ansehen diese unterstützt, fördert und sogar fordert.

Kitaleitung - ein Traumberuf?
Noch heute - nach so vielen Jahren im Berufsfeld der familienergänzenden Betreuung von Kindern im Vorschulalter - ist es für uns nicht vorstellbar, in eine andere Berufssparte einzusteigen oder zu wechseln. Auch nicht in eine uns «verwandte» Berufsgattung wie zum Beispiel die der Kindergartenlehrperson oder Hortleiterin. Die Begleitung von Kindern in ihren ersten Lebensjahren und ihren Eltern, aber auch die Führung von Personen, welche die Kinder im Arbeitsalltag begleiten, bieten so viele positive Herausforderungen, sind abwechslungsreich und interessant. Die Pädagogik und die Forschung rund um die frühkindliche Entwicklung entwickelt sich stetig weiter und bietet neue Denkansätze durch Forschungsergebnisse, welche uns beim Einstieg ins Berufsleben noch nicht bekannt waren.

Zudem geniessen wir die Vorteile einer Co-Leitung und können so eine ressourcenorientierte Aufgabenteilung im Alltag leben. Wir haben die Möglichkeit, uns zu spiegeln, unsere Arbeitsschritte und Handlungen gegenseitig zu hinterfragen und erleben so im Alltag, in dieser ansonsten doch eher einsamen Position, eine respektvolle Auseinandersetzung mit unserer Arbeit und haben jederzeit eine ergänzende Stütze in der anderen Person.


Interessieren Sie sich für das Branchenzertifikat oder für andere Angebote im Bereich Kindererziehung? Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme: Melanie Bolz, Bildungsbeauftragte Kindererziehung/Sozialpädagogik, m.bolz@curaviva.ch, Tel. 041 419 01 89.


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